Entlang des Texas Forts Trail: von Ft. McKavett bis Ft. Atombombe

Der Frontier war kein Gebiet, in dem Friede und Ruhe herrschten, sondern in dem Großen Westen waren Gewalt und die Androhung von Gewalt immer gegenwärtig. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der Staat die Indianer westlich den Mississippi River vertrieben, und plante eine Ewige Grenze zwischen den „Zivilisierten“ und „Unzivilisierten“ zu militarisieren. Als das Gebiet hinter der Ewigen Grenze für europäische Siedlung freigestellt wurde, gab der Staat einige „Forts“ auf, aber andere wurden zum Zweck des Schutzes der Innere erhalten. Nach einem Jahrhundert in den Jahren des Kalten Krieges baute der Staat noch andere moderne Festungen, derer Reichweite weit über die Grenze des Staates ausdehnte.

Obwohl die Truppenzahl bis 1917 ziemlich begrenzt wurde, waren militärische Einrichtungen ein sichtbarer Teil des Westens. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelten sich viele ehemalige Aussenposten in große Übungsgelände, auf denen sich Truppen auf den Einsatz der neusten Waffen vorbereiten konnten. Die Bedrohung der Kommunismus gab Anlass für eine weitere Militarisierung des Westens, und die neuen „Forts“ sollten wieder eine Grenze zwischen den „Zivilisierten“ und „Unzivilisierten“ errichten und amerikanische Interessen verteidigen.

Nach den ersten Umlaufbahn der Satellit Sputnik fürchten sich viele Amerikaner vor der vermeintlichen Überlegenheit der sowjetischen Raketentechnologie. Die US-Luftstreitkräfte setzten 1958 die Atlas-ICBM ein, und die neue Rakete, die einen 3,5 Megaton-Sprengkopf trug, sollte gleichzeitig als Abschreckung und PR-Sieg dienen. Die Militär entschied sich 1961 für den Bau neuer Stützpunkte, die im Fall der Fälle nicht so leicht verwundbar geworden wären. Die Vertragsfirme Brown and Root baute innerhalb eines Jahrs alle 72 Stützpunkte, und elf befanden sich in der Nähe von Abilene, Texas. Die Stadt kannte schon den Kalten Krieg und die Stationierung von Atomwaffen, denn östlich von Abilene liegt Dyess Air Force Basis, die damals ein Stützpunkt eines Strategic-Air-Command-Bombengeschwaders war.

Die Zeitungen folgten mit Fotos und Kopfzeilen der Stationierung der Raketen in die Silos, und die Einwohner von West Texas lebten bewusst mit der Idee, dass im Fall eines Angriffs oder eines Unfalls Abilene eines der ersten Ziele der Sowjetunion wäre. Die Mannschaften der Silos und derer Ladung hätten alle feindliche Angriffe überleben sollen, ausser dem Extremfall eines Volltreffers, aber das gesamte Leben von West Texas wäre vernichtet worden. Batterien atomaren Flugabwehrraketen der Nike-Hercules-Klasse sollten die Raketenstützpunkten und Dyess AFB gegen interkontinentale Raketen und Langstreckenbomber verteidigen, aber sogar die Abwehr von Luftangriffen hätte mit sich ein Fallout-Risiko gebracht. Obwohl die ICBMs ein einziges Mal 1961 und schon wieder 1963 abschussbereit über ihren Silos standen, gab es glücklicherweise keine befohlenen oder zufälligen Abschüsse, bevor die Atlas-Stützpunkte 1967 abgebaut wurden. Dyess blieb bis 1992 ein SAC-Luftstreitkräftestützpunkt, aber neue Raketentechnologie wurde weiter westlich und nördlich stationiert.

Alte Forts wie Fort McKavett erinnern uns an die Kriege des 19. Jahrhunderts, und die schönen und unschönen Ereignisse, die die Kampfhandlungen zu einem Ende geführt hatten. Im Fall eines Atomkriegs hätten alle Erdbewohner gelitten, egal ob sie nicht weit entfernt von einem Silo gewohnt hätten oder nicht. So weit ich weiss, zeigen keine Museen oder Gedenkstätte einem breiten Publikum, wie nahe die ganze Welt am Rande des Abgrunds gestanden hatte. Ohne solche Erinnerungsorte bleibt die Geschichte eher ein Teil der akademischen Geschichte statt der öffentlichen Geschichte, obwohl so viele Einwohner von West Texas und anderen Regionen der Welt den Kalten Krieg als Nachbarn erlebt hatten.–Jason Fabianke

DSC_0181

DSC_0173

DSC_0171

DSC_0175

DSC_0176

DSC_0174

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

About Jason Fabianke

Ich lehre Geschichte und wohne in San Antonio, und seit einigen Jahren habe ich gern Reisegeschichten und Reiseberichten gelesen, die Deutsche und Österreicher/innen über ihre Amerikareisen geschrieben haben. In diesem Blog schreibe ich über meine eigene Erlebnisse in dem amerikanischen Westen, und ich hoffe, dass ich etwas zu der Diskussion über den modernen und historischen Westen beitragen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: