Tag-Archiv | Geschichte

Auf der Suche nach dem wahren Amerika!

Ich habe mehrmals das Buch Amerika!: Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelesen, und jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Geert Mak, nederländischer Journalist und Autor, hat ein Buch geschrieben, das eine perfekte Mischung aus Geschichtsschreibung, Biografie, journalistischem Recherchieren, Literaturwissenschaft und Reisegeschichte, und die Mischung lässt einen tiefen Einblick in die Geschichte und in den gegenwärtigen Herausforderungen der Vereinigten Staaten. In dem Buch folgte er dem selben Weg, dem John Steinbeck 1960 gefolgt hatte, als er nach dem wahren Amerika suchte, die ihm nach dem zweiten Weltkrieg abhanden gekommen wäre. Mak ist ein Genie der Erzählkunst, denn er kommentierte Die Reise mit Charley, erzählte eine Geschichte der USA von den Anfängen bis zum Gegenwart und stellte die gleichen Fragen wie Steinbeck, die eine große Besorgnis über die Zukunft der Vereinigten Staaten zeigten. In der Erzählung seiner Reise war Mak sehr angemessen, indem er auf die Stärken deutete und genauso die Schwächen erläuterte.
Eine Beschreibung des ganzen Buch ist nicht möglich in diesem Beitrag, weil das Buch so umfassend ist, und ich werde hier nur Bemerkungen zu einem Ausschnitt machen. Klar ist, dass Mak 2010 das Ergebnis erreicht hat, das Steinbeck 1960 angestrebt hatte.Durch Maks Buch sieht der Leser Steinbeck, als er die Erfahrungen auf der Reise sammelte, und wir erkennen die Schwierigkeiten, die ihm das Schreiben des fertigen Manuskripts brachte. Mak beschrieb Steinbeck als ein Mann des Volkes, der immer wieder seine Unabhängigkeit und seine Selbstbewusstsein betont hatte. 
Steinbeck gehörte zu der Generation, die die Gleichheit der Armut genossen hatte, die bis zum Zweiten Weltkrieg für das ganze Lang prägend war. Die Unabhängigkeitserklärung besagte, dass all Menschen gleich geschaffen wurden, und bis zu den fünfziger Jahren lebten die meisten Amerikaner in den gleichen armen Verhältnissen. Fast alle waren arm aufgewachsen und arm geblieben. Mak erwähnte Nixon und Eisenhower. Die Väter beider Präsidenten mussten ein Insolvenzverfahren beantragen, und Lyndon Johnson wuchs in tiefer Armut auf. Sie gehörten zu der Wartens- und Reparierensgeneration, die sich ganz in Gegensatz zur Wegwerfgeneration stellten. 
Mak bemerkte, wie viele Sachen in den USA bewusst vergeudet und verschwendet werden. Er beschrieb die Frühstückszeit einen typischen Hotels–Frühstück heißt, eine müde Frau trägt sackchenweise Müll aus, weil die Abfalleimer immer wieder bis zum Rand mit Besteck, Styropor-Geschirr und nicht gegessenen Essenresten gefüllt wird. Er meinte, es schien, als ob viele Amerikaner immer eine maschinelle Begleitung haben müssten. Er erzählte, wie oft er auf seiner Reise vergeblich versucht hatte, mit offenen Fenstern in Hotelzimmern zu schlaffen. Die Fenstern wurden entweder zugeschraubt, oder die Nachbarn kamen spät nachts zurück und stellten die laute Klimaanlage an,obwohl es draußen kalt war. Die Lehre: die Fenstern sollten zubleiben, und man sollte lieber sogar in den kühlen Jahreszeiten die Klimaanlage laufen lassen. Dazu sah Mak auf dem Parkplatz einer Raststation, wie die Lastwagenfahrer den Motor stundenlang laufen ließen, während sie in dem Restaurant der Raststation speisten. Gleich wie Steinbeck, schien Mak, dass die Mehrheit lebten, als ob alle Resorcen unbegrenzt seien und immer zur Verfügung stünden. 
Ich schätze Die Reisen mit Charley, aber nachdem ich Maks Werk entdeckt hatte, habe ich schon Amerika! öfter als Steinbecks Charlie gelesen. Auf der Reise hatten viele Steinbeck wegen der Freiheit beneidet, die die Reise in Rosiante (seinem Camper) verkörperte, und noch fünfzig Jahre später begegnete Mak viele Amerikaner, die fast keine Erfahrung mit dem Leben außerhalb ihres eigen Bundesstaates vorweisen konnten. Sie zeigten sich interessiert und fragten Mak, einen Nederländer, über Einzelheiten aus anderen Teilen ihres Landes. Reisen wie Steinbecks und Maks sind unerlässlich, wenn wir gemeinsam über die Zukunft der Vereinigten Staaten denken, und Maks Buch ist sehr empfehlenswert.—Jason Fabianke

  

Eine gemeinsame Kulturerbe: die Missionen und das Hill Country, Teil 1

Ich habe diese Reihe wieder veröffentlicht, anlässlich der Ernennung der Missionen von UNESCO zur Weltkulturerbe. Die vier Artikel dieser Reihe erinnern uns daran, dass die Missionen Artefakten sind, die in einer langen kulturellen Kette eingebunden sind, und die Kette reicht von der voreuropäischer Zeit bis zu dem Golfplatz , der rund um die Mission San Saba in Menard gebaut wurde. Die Missionen bilden kein Museumsviertel, sondern die stehen mitten in einer Gegend, in der Menschen noch Zusammenhalt suchen und pflegen müssen, um neue moderne Herausforderungen zu meistern. Wenn Sie in Texas besuchen oder meiner Reisestrecke folgen, bemerken Sie bitte, dass die Gebäuden einst leer und vergessen waren, aber die verschiedenen Kulturen bleiben noch lebendig.—-Jason Fabianke


Die Sonne stand noch niedrig im Himmel, aber an so einem Apriltag stieg die Temperatur nie aus dem milderen Wert. Die erstmaligen Besucher können kaum die Unterschiede zwischen die Jahreszeiten des warmen Klimas der südtexanischen Stadt San Antonio erkennen, und selbst die langjährigen Einwohner wissen, dass sie die wenigen Frühlingstagen geniessen sollten, bevor der lange Sommer beginnt. So eine Erkundigungsfaht hatte ich heute geplant.

Manchmal ist ein gewisser Geruch der feuchten Kühle das einzige Merkmal der kommenden Jahreszeit, als ob die Natur ausatmen müsste, ehe sie vorwärts geht. Im Frühling kehrt das Grüne ganz langsam zu den dürren Grasblättern zurück. Das Gras und die Blüten der Bäumen ändern sich erst schrittweise, denn ein später Frost kann die Pflanzenwelt plötzlich in die Winterzeit zurückdrängen, bevor die neuen Gewächse ein schonendes Stadium erreicht haben. An diesem Apriltag war Winter aber nicht mehr in Sicht, und so ein herrliches Reisewetter ermahnte einen, auf Reisen zu sein.

Ich hatte gegen neun in San Antonio gefrühstückt, und verließ die Stadt halbherzig. Die südtexanische Großstadt ist reich an Kultur und Geschicht, und so viel passiert in den Zeiten zwischen meinen Besuchen, dass ich die Stadt immer wieder kennenlernen muss—eine Aufgabe, die ich mit Freude aufnehme. Die heutige Identität einer Stadt hat ihren Ursprung in der Geschichte der Einwohner und in den Eigenschaften des Ortes. Seit der frühesten Zeitrechnung sind Indianer, Spanier und andere Menschen an die Wasserquellen unter des Balcones gezogen. In Amerika ist die Zeitspanne zwischen der Gegenwart und geschriebenen Geschichte deutlich kürzer als in anderen Weltteilen, aber gerade weil die Vergangenheit so nah ist, lebt Geschichte noch in der Erinnerungen vieler Einwohner.

Die erste europäische Siedlung wurde 1718 von Pater Antonio de Olivares als das Missionszentrum San Antonio de Valero gegründet, so dass die spanischen Ansprüche auf die Ländereien zwischen den Sabine und den Rio Grande Flüssen gegen die Franzosen verteidigten, und neue Einwohner und das Bauen eines Presidios folgten darauf. Die Gestaltung einer Stadt nach europäischen Art fand erst 1731 nach der Umsiedlung von sechsundfünfzig Kanariern in die Gegend um den Presidio, und viele Nachkommen der Inselbewohner wohnen noch heute in San Antonio .

Die ersten Einwohner der Gegend waren aber die armen Coahuiltecans. Einige Historiker meinen dass die Coahueiltecans gerne den Schutz der Spanier vor den besser ausgerüsteten Indianerstämmen aufnahmen, aber ganz sicher hatte niemand sie nach ihrer Meinung gefragt. In den folgenden Jahren errichteten Priester andere Missionen in der Nähe mit den Namen San Jose de Aguado, San Juan Capistrano und Acension. Die Arbeiter der Missionen, entweder freiwillige oder erzwungene, bebauten Mais und ansässige Gemüsearten, und die weiter südlich gelegenen Missionen eigneten große Herde spanischen Rinder, die frei auf den nicht umzäunten Flächen grasten. Alle Missionen spezialisierten sich auf bestimmten Hausindustrien, um die Waren mit anderen Missionen zu tauschen. Obwohl ganz wenige Missionen die Wende des 18. Jahrhunderts bestanden hatten, waren sie eine Zeitlang unersetzbare Machtträger in der Ausbreitung spanischen Einflusses.

Die Standorte der Missionen waren weit von Mexiko bis Kalifornien verbreitet, und ihre Begründungsziele waren eine Mischung aus religiösen und weltlichen Gründen. Die Missionen sicherten die spanischen Ansprüche auf das Land und auf den Rohstoff und belehrten die Indianer über spanische und katholische Kultur. Als die spanischen Priester und Soldaten auf weitere Entdeckungsreisen eintraten, folgten sie alten indianischen Wanderwegen, die die Indianer seit Jahrhunderte von Lagerplatz zu Lagerplatz geführt hatten. Oft nahmen sie Indianer als Pfadfinder an, aber die Wege waren von Tausende von Umzüge breit getreten. Die Pferde, Vieh und schwere Wagen der Spanier wandelten die Wege in mit tiefen Rinnen genarbte Straßen um, die die Reisenden mit Staubwolken in trockenen Zeiten und mit Schlamm in Regenwetter plagten.

Die Lage der Missionen befanden sich an den altbekannten Indianerpfaden entlang, und ein getrauter Wanderweg der Comanches und Apaches war die Strecke zwischen dem wasserreichen Quellgebiet des Südens und dem San Saba River, wo die Spanier später die San Saba Mission gegründeten. Solange die Spanier Neuspanien unter ihrer Verwaltung hielten, galt die Strecke als eine wichtige Real, die ihren Handel unterstützten und ihre Herrschaft sicherte. An diesem milden Frühlingstag wollte ich den historischen Weg wieder besuchen, und die Landschaft kennenlernen, an der sich Siedler und Einwanderer vielfältiger Herkünfte passen mussten, um in einem fremden Land zu überleben.

Ich bin ohne Eile durch die hüglige Landschaft der texanischen Hill Country gefahren. Die breite I-10 bildet eine vierspurige, geteilte Fahrbahn von Kalifornien bis Florida, und obzwar die Aussichten vom Interstate die Vielfalt des Landes ausreichend vertraten, fuhr ich lieber auf den engeren Landstraßen oder State Highways. Sie ermöglichen die unerwarteten Aufenthalten, die die weiten Abstände zwischen den Ausfahrten des Interstate den Reisenden nicht zulassen.

In der Kleinstadt Comfort verpasste ich die geplante Ausfahrt und machte eine kurze Umleitung durch das Zentrum. In den frühen siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erkannte die Legislatur, dass die reichen kulturellen und sozialen Geschichtspunkte zu oft ausschließlich in Büchern und Archiven beschreiben worden waren. Die „Historical Markers“ ware die Folge des neuen Interesse für eine Geschichtsschreibung, die Gemeinden und private Vereinen engagieren sollte.

Als ich an das „General-Store-Gebäude“ vorbeifuhr, das vor zehn Jahren ausgebrannt hatte, bemerkte ich die graue und schwarze Weißtafel, die nach dem abgeschlossenen Gesetzentwurf ein „Historical Marker“ heißt. Den Landstraßen entlang stellten die Staatsregierung viele Wegweiser auf, die bekanntmachen, dass historische Weißtafeln in einer bestimmten Stadt zu finden sind, oder dass sie noch eine Meile weiter in der Straßenrichtung ausgestellt sind. Diese Comfort Weißtafel erzählte die Anständen der ersten europäischen Ansiedlung in der Umgebung, und berichtete über eine fast vergessene Gruppe, die zwar die jetzigen Einwohner der Gegend ihre intellektuelle und materielle Erbe hinterlassen haben.

Die Siedler gehörten zu den Freidenkern, deren in Freiheit befestigter intellektueller Lebensstil die neue gesellschaftliche Ordnung der 1848er Jahren in Europa nicht freundlich empfand. Sie sprachen Latein zu Hause, und sie wollten ihre Kinder ohne den Einfluß organisierter Religion erziehen. Die Freidenker strebten sich nach reiner Meinungsfreiheit, und hielten sich fest zu der damals radikalen Idee, dass Männer und Frauen in allen Fakultäten gleich gestellt waren. Die europäischen Herrschaften der deutschen Gebieten fühlten sich von der kommunitarianischen Organisation und störenden Lehre der Freidenker schwer bedroht, und viele Anhänger der Gruppe emigrierte gegenüber einem wachsenden Gefahr von der Seite der neoabsolutistischen Monarchien.

In Texas kauften sie Land zu einem günstigen Preis, und durften ihre eigenen Schulen gründen, in denen sie ihre Lehre eine neue Generation von Schüler förderten. Sie pflegten Verbindungen und einen ständigen Briefwechsel mit Gleichgesinnten in Deutschland, aber sie wurden allmählich von den anderen deutschsprachigen Siedler der Umgebung assimiliert. Ihre Ansichten und die der meist liberalen Deutschen gingen von ihren englischsprachigen Nachbarn nicht unbemerkt, und viele Freidenker und andere Deutschen unterstützten die Seite der Union nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges, obwohl Texas den Unionsaustritt nach einer Volksabstimmung eingestimmt hatte. Freidenker wurden oft für Verräter gehalten, und erlitten die scharfe Rache der englischsprachigen Leuten, die bezwungen fühlten, die Rechte der südlichen Konföderation verteidigen zu müssen.

In der Nähe der Stadtpark und einer evangelishen-lutheranischen Kirche gegenüber steht ein weißer Oblisk, dessen in Granit gemeißelte Gestalt und Inschrift an die gefallenen Soldaten des Bürgerkrieges erinnerten, die für die Union ihr Leben geopfert hatten. Im Jahre 1862 versuchten vierzig Deutsche, die mexikanische Grenze zu erreichen, um in die Armee der Union einzutreten. Soldaten der Konföderation hatten sie erwischt, und ihre Leichen wurden nicht begraben, bis Freunde von Comfort ihre Knochen holten und auf dem Platz bestatteten, den heute das Denkmal ziert.—-Jason Fabianke

Fortsetzung folgt