Archive | August 2015

Eine gemeinsame Kulturerbe: die Missionen und das Hill Country, Teil 1

Ich habe diese Reihe wieder veröffentlicht, anlässlich der Ernennung der Missionen von UNESCO zur Weltkulturerbe. Die vier Artikel dieser Reihe erinnern uns daran, dass die Missionen Artefakten sind, die in einer langen kulturellen Kette eingebunden sind, und die Kette reicht von der voreuropäischer Zeit bis zu dem Golfplatz , der rund um die Mission San Saba in Menard gebaut wurde. Die Missionen bilden kein Museumsviertel, sondern die stehen mitten in einer Gegend, in der Menschen noch Zusammenhalt suchen und pflegen müssen, um neue moderne Herausforderungen zu meistern. Wenn Sie in Texas besuchen oder meiner Reisestrecke folgen, bemerken Sie bitte, dass die Gebäuden einst leer und vergessen waren, aber die verschiedenen Kulturen bleiben noch lebendig.—-Jason Fabianke


Die Sonne stand noch niedrig im Himmel, aber an so einem Apriltag stieg die Temperatur nie aus dem milderen Wert. Die erstmaligen Besucher können kaum die Unterschiede zwischen die Jahreszeiten des warmen Klimas der südtexanischen Stadt San Antonio erkennen, und selbst die langjährigen Einwohner wissen, dass sie die wenigen Frühlingstagen geniessen sollten, bevor der lange Sommer beginnt. So eine Erkundigungsfaht hatte ich heute geplant.

Manchmal ist ein gewisser Geruch der feuchten Kühle das einzige Merkmal der kommenden Jahreszeit, als ob die Natur ausatmen müsste, ehe sie vorwärts geht. Im Frühling kehrt das Grüne ganz langsam zu den dürren Grasblättern zurück. Das Gras und die Blüten der Bäumen ändern sich erst schrittweise, denn ein später Frost kann die Pflanzenwelt plötzlich in die Winterzeit zurückdrängen, bevor die neuen Gewächse ein schonendes Stadium erreicht haben. An diesem Apriltag war Winter aber nicht mehr in Sicht, und so ein herrliches Reisewetter ermahnte einen, auf Reisen zu sein.

Ich hatte gegen neun in San Antonio gefrühstückt, und verließ die Stadt halbherzig. Die südtexanische Großstadt ist reich an Kultur und Geschicht, und so viel passiert in den Zeiten zwischen meinen Besuchen, dass ich die Stadt immer wieder kennenlernen muss—eine Aufgabe, die ich mit Freude aufnehme. Die heutige Identität einer Stadt hat ihren Ursprung in der Geschichte der Einwohner und in den Eigenschaften des Ortes. Seit der frühesten Zeitrechnung sind Indianer, Spanier und andere Menschen an die Wasserquellen unter des Balcones gezogen. In Amerika ist die Zeitspanne zwischen der Gegenwart und geschriebenen Geschichte deutlich kürzer als in anderen Weltteilen, aber gerade weil die Vergangenheit so nah ist, lebt Geschichte noch in der Erinnerungen vieler Einwohner.

Die erste europäische Siedlung wurde 1718 von Pater Antonio de Olivares als das Missionszentrum San Antonio de Valero gegründet, so dass die spanischen Ansprüche auf die Ländereien zwischen den Sabine und den Rio Grande Flüssen gegen die Franzosen verteidigten, und neue Einwohner und das Bauen eines Presidios folgten darauf. Die Gestaltung einer Stadt nach europäischen Art fand erst 1731 nach der Umsiedlung von sechsundfünfzig Kanariern in die Gegend um den Presidio, und viele Nachkommen der Inselbewohner wohnen noch heute in San Antonio .

Die ersten Einwohner der Gegend waren aber die armen Coahuiltecans. Einige Historiker meinen dass die Coahueiltecans gerne den Schutz der Spanier vor den besser ausgerüsteten Indianerstämmen aufnahmen, aber ganz sicher hatte niemand sie nach ihrer Meinung gefragt. In den folgenden Jahren errichteten Priester andere Missionen in der Nähe mit den Namen San Jose de Aguado, San Juan Capistrano und Acension. Die Arbeiter der Missionen, entweder freiwillige oder erzwungene, bebauten Mais und ansässige Gemüsearten, und die weiter südlich gelegenen Missionen eigneten große Herde spanischen Rinder, die frei auf den nicht umzäunten Flächen grasten. Alle Missionen spezialisierten sich auf bestimmten Hausindustrien, um die Waren mit anderen Missionen zu tauschen. Obwohl ganz wenige Missionen die Wende des 18. Jahrhunderts bestanden hatten, waren sie eine Zeitlang unersetzbare Machtträger in der Ausbreitung spanischen Einflusses.

Die Standorte der Missionen waren weit von Mexiko bis Kalifornien verbreitet, und ihre Begründungsziele waren eine Mischung aus religiösen und weltlichen Gründen. Die Missionen sicherten die spanischen Ansprüche auf das Land und auf den Rohstoff und belehrten die Indianer über spanische und katholische Kultur. Als die spanischen Priester und Soldaten auf weitere Entdeckungsreisen eintraten, folgten sie alten indianischen Wanderwegen, die die Indianer seit Jahrhunderte von Lagerplatz zu Lagerplatz geführt hatten. Oft nahmen sie Indianer als Pfadfinder an, aber die Wege waren von Tausende von Umzüge breit getreten. Die Pferde, Vieh und schwere Wagen der Spanier wandelten die Wege in mit tiefen Rinnen genarbte Straßen um, die die Reisenden mit Staubwolken in trockenen Zeiten und mit Schlamm in Regenwetter plagten.

Die Lage der Missionen befanden sich an den altbekannten Indianerpfaden entlang, und ein getrauter Wanderweg der Comanches und Apaches war die Strecke zwischen dem wasserreichen Quellgebiet des Südens und dem San Saba River, wo die Spanier später die San Saba Mission gegründeten. Solange die Spanier Neuspanien unter ihrer Verwaltung hielten, galt die Strecke als eine wichtige Real, die ihren Handel unterstützten und ihre Herrschaft sicherte. An diesem milden Frühlingstag wollte ich den historischen Weg wieder besuchen, und die Landschaft kennenlernen, an der sich Siedler und Einwanderer vielfältiger Herkünfte passen mussten, um in einem fremden Land zu überleben.

Ich bin ohne Eile durch die hüglige Landschaft der texanischen Hill Country gefahren. Die breite I-10 bildet eine vierspurige, geteilte Fahrbahn von Kalifornien bis Florida, und obzwar die Aussichten vom Interstate die Vielfalt des Landes ausreichend vertraten, fuhr ich lieber auf den engeren Landstraßen oder State Highways. Sie ermöglichen die unerwarteten Aufenthalten, die die weiten Abstände zwischen den Ausfahrten des Interstate den Reisenden nicht zulassen.

In der Kleinstadt Comfort verpasste ich die geplante Ausfahrt und machte eine kurze Umleitung durch das Zentrum. In den frühen siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erkannte die Legislatur, dass die reichen kulturellen und sozialen Geschichtspunkte zu oft ausschließlich in Büchern und Archiven beschreiben worden waren. Die „Historical Markers“ ware die Folge des neuen Interesse für eine Geschichtsschreibung, die Gemeinden und private Vereinen engagieren sollte.

Als ich an das „General-Store-Gebäude“ vorbeifuhr, das vor zehn Jahren ausgebrannt hatte, bemerkte ich die graue und schwarze Weißtafel, die nach dem abgeschlossenen Gesetzentwurf ein „Historical Marker“ heißt. Den Landstraßen entlang stellten die Staatsregierung viele Wegweiser auf, die bekanntmachen, dass historische Weißtafeln in einer bestimmten Stadt zu finden sind, oder dass sie noch eine Meile weiter in der Straßenrichtung ausgestellt sind. Diese Comfort Weißtafel erzählte die Anständen der ersten europäischen Ansiedlung in der Umgebung, und berichtete über eine fast vergessene Gruppe, die zwar die jetzigen Einwohner der Gegend ihre intellektuelle und materielle Erbe hinterlassen haben.

Die Siedler gehörten zu den Freidenkern, deren in Freiheit befestigter intellektueller Lebensstil die neue gesellschaftliche Ordnung der 1848er Jahren in Europa nicht freundlich empfand. Sie sprachen Latein zu Hause, und sie wollten ihre Kinder ohne den Einfluß organisierter Religion erziehen. Die Freidenker strebten sich nach reiner Meinungsfreiheit, und hielten sich fest zu der damals radikalen Idee, dass Männer und Frauen in allen Fakultäten gleich gestellt waren. Die europäischen Herrschaften der deutschen Gebieten fühlten sich von der kommunitarianischen Organisation und störenden Lehre der Freidenker schwer bedroht, und viele Anhänger der Gruppe emigrierte gegenüber einem wachsenden Gefahr von der Seite der neoabsolutistischen Monarchien.

In Texas kauften sie Land zu einem günstigen Preis, und durften ihre eigenen Schulen gründen, in denen sie ihre Lehre eine neue Generation von Schüler förderten. Sie pflegten Verbindungen und einen ständigen Briefwechsel mit Gleichgesinnten in Deutschland, aber sie wurden allmählich von den anderen deutschsprachigen Siedler der Umgebung assimiliert. Ihre Ansichten und die der meist liberalen Deutschen gingen von ihren englischsprachigen Nachbarn nicht unbemerkt, und viele Freidenker und andere Deutschen unterstützten die Seite der Union nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges, obwohl Texas den Unionsaustritt nach einer Volksabstimmung eingestimmt hatte. Freidenker wurden oft für Verräter gehalten, und erlitten die scharfe Rache der englischsprachigen Leuten, die bezwungen fühlten, die Rechte der südlichen Konföderation verteidigen zu müssen.

In der Nähe der Stadtpark und einer evangelishen-lutheranischen Kirche gegenüber steht ein weißer Oblisk, dessen in Granit gemeißelte Gestalt und Inschrift an die gefallenen Soldaten des Bürgerkrieges erinnerten, die für die Union ihr Leben geopfert hatten. Im Jahre 1862 versuchten vierzig Deutsche, die mexikanische Grenze zu erreichen, um in die Armee der Union einzutreten. Soldaten der Konföderation hatten sie erwischt, und ihre Leichen wurden nicht begraben, bis Freunde von Comfort ihre Knochen holten und auf dem Platz bestatteten, den heute das Denkmal ziert.—-Jason Fabianke

Fortsetzung folgt

Eine gemeinsame Kulturerbe: die Missionen und das Hill Country, Teil 2

Ich hatte nicht zu viel Zeit zu verweilen, und ich fuhr unter die Interstate und setzte meine Reise auf Highway 87 fort. Der kurvenreiche Weg führte über Flüsse und langsame Bäche, und Zedern und Eichen warfen Schattenstreifen auf das feine, hellgrüne Gras. Im Herbst zeigen die Blätter der Eichen und Kirschbäume jedes Jahr zunächst ihre Farben in den tieferen Schluchten zwischen den Hügeln, in denen sie dicht an einander wachsen. An einem Frühlingstag so wie heute sah ich die hellen Blüten und grünen Knospen an den Bäumen, die auf den steilen Seiten der Höhen stehen. Das ist eine Bestätigung, dass die Bäume das Frühlingswetter für andauernd hielten. Die Schluchten waren die Urquelle der Vielfalt der Baumarten, deren Schönheit ich sogar auf meinem ersten Hill-Country-Ausflug erkannt hatte.

In den Tagen der großen Präriebrände hatten die Bäume nur in tieferen Schluchten und in dichten Hainen überlebt, die normalerweise nur aus einer Baumart bestand. Die ersten Reisenden verglichen die kleinen Wälder mit grünen Inseln auf einem braunen Meer wellenden Gras. Das Gras wuchs damals höher als ein Pferd und Reiter, und manche unerfahrenen Reisenden verirrten sich tagelang oder begegneten Bände kriegerischer Indianer, die die Spuren eines Beutetieres verfolgten.

Damals waren riesige Herden amerikanischer Büffel oder Bison von Kanada bis Mexiko auf das Grasmeer hinauf und hinunter gewandert, bevor das Rindervieh und die Farms und Ranches die Landschaft änderten. Die Bisons bildeten in der Erdgeschichte die größte Konzentration einer Art Säugetier außer den modernen Menschenstädten. Ihre Wanderungen ähnelten einem bewegenden Schatten, der das Gras auffraß und zertrampelte, und der von einem Horizont bis zum anderen ausdehnte. Der Bison war die Quelle des Indianerlebens, und das Tier besorgten den Indianer Fleisch, Kleidung und, durch ihren Dung, Brennstoff fürs Lagerfeuer. Die Erde auf der Prärie war arm und der Regen knapp, aber der Dung und Harn der Büffel ernährten das Gras, dessen Wurzeln oft vier Meter tief indie Erde wuchsen. Eine dicke Scholle, die nach den Bränden unzähligen Jahrhunderte entstanden sind, ließ die Erde der Prärien täuschen und fruchtbar erscheinen, und nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, wollten Farmers und Ranchers das wilde Grasland verändern.

Die landwirtschaftlichen Ansätze des späten 19. Jahrhunderts hinderten die jährlichen Brände, die oft rasch und ohne Warnung durch Blitzschläge angezündet worden waren, und die in wenigen Tagen abertausend Quadratkilometer trockenes Gras verzehrten. Ohne die natürliche Erneuerung, die Saaten und Sprosse aller Pflanzen außer den schnell wachsenden Präriegrasen vernichteten, verbreiteten sich die Bäume auf die fruchtbare Erde der sanften Hügel aus. In der Hill-Country war die Erdschicht sehr dünn, und ohne den Schutz der dicken Graswurzeln setzte Abtragung rasch auf den Hügeln ein, so dass der weißen Kalkstein enthüllt wurde. Die Landschaftsbild hatte sich verändert, aber die Schönheit und Verlockung der Landschaft tragen die selbe Kraft als vor der Umwandlung vom Gras zu Bäumen.  Die Bäume vertiefen den tiefen Eindruck, die wohl alle Reisende empfinden.

Die erste Stadt, seitdem ich von der Eintönigkeit der Interstate abgebogen war, ist die deutsche Siedlung Fredericksburg. Die Vorfahren der Einwohner waren in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Vermittlung der in Galveston gegründeten Deutschen Einwanderungsgesellschaft und deren Vorstand Johann O. Meusebach eingewandert. Die ersten Jahren fielen die neuen Siedler schwer, denn das sogenannte Fisher-Miller Siedlungsgebiet gehörte zu dem Jagdrevier der Comanche. Die Indianer ehrten aber die Führung von Meusebach, und in 1846 gelang es ihm, einen Friedensvertrag zwischen den Deutschen und den Comanchen abzuschließen. Die Siedler harrten sich auf besseren Zeiten aus, und mit Mühe und Geduld erzeugten sie ein erfolgreiches aber isoliertes Landwirtschaftsgebiet, auf dem vorher nur ein halbtrockenes Jagdgebiet war.

Obwohl der Anteil der Birnbaums und Schmidts weitaus größer als die Gonzaleses und Smiths in Telefonbuch ist, sprechen ganz wenige Einwohner der Stadt noch zu Hause Deutsch, und die letzten deutschsprachigen Gottesdienste waren in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts eingestellt. Sie haben allerdings ihre Vergangenheit nicht vergessen, und sie haben gelernt, wie sie ihre deutsche Herkunft verwenden konnten, um die landwirtschaftlichen Einkommensquellen durch Tourismus zu ergänzen.

Die Siedler bauten die achtseitige Vereinskirche nach der Abschluß des Friedensvertrags, aber das Gebäude wurde in 1896 abgerissen. Die pragmatischen Einwohner sahen keinen Grund, dass die ökumenische Kirche noch stehen sollte, da die verschiedenen Sekten schon ihre eigenen Gemeinden gegründet hatten. Sie handelten sich genau so pragmatisch wie je zuvor, und ihr städtisches Handelsamt erkannt die Wichtigkeit des Fremdenverkehrs. Deswegen ließen die Einwohner vor dem 100. Jubiläumstag der Unabhängigkeit Texas eine Nachbildung der Kirche bauen, die heute als Touristeninformation dient.

In Fredericksburg verkauft sich alles Deutsches leicht. Die Reklame und zweisprachige Straßenschilder lassen manche Besucher an die Ausstattung eines Vergnügungspark denken, aber die Inhaber der Läden und Restaurants nehmen die deutsche Herkunft ernst. Manche können Deutsch noch, und sie würden die Gelegenheit schätzen, ein wenig über Deutschland und die Deutschen zu sprechen. Vor zwanzig Jahren produzierte Thomas Meinecke für den Bayrischen Rundfunk eine Hörspiel-Collage, die die Sprache und die Musik der Einwohner Fredericksburg und anderer kleinen Ortschaften präsentierten. Hinter der Fassade von Lederhosen und Rechtschreibungfehlern finden sie einen bestimmten, einfachen Stolz auf ihre Geschichte, obwohl sie die Vergangenheit oft kitschig und kaufmännisch statt kritischen betrachten.

Fredericksburg ist aber lebendig für eine texanische Kleinstadt. Käsekuchen, Schnitzel und Strudel sind immer im Angebot in den Restaurants, und jeden Tag scheint es die Biergartensaison oder Heurigen zu sein. Der amerikanische Besucher kann auch einen treffenden Trachtenanzug dazu kaufen, und der bayrische Gast, dessen Reisekoffer nicht angekommen war, könnte sich neue Kleidungstücke aus der neusten Trachtenmode in verschiedenen Läden aussuchen. Die Stadt bietet allen das kulturelle Leere und Fülle an.

Die große Menge Autos ließ keine einzige Parklücke entlang der Hauptstraße übrig, und Besucher und Einwohner gingen den Bürgersteig eilig hinauf und hinunter. Lange Wohnwagen hatten genügen Fahrraum auf der breiten Straße, aber die große Anzahl der Autos erschwerte das Fahren ohne Ende. Ich war der Meinung, dass ich den Tag in Ruhe und Einsamkeit besser hätte genießen können, als in einem ländlichen Stau steckenzubleiben. Die langen Reihen geparkter Autos und eifrige Einkäufer wirkten sich ermüdend auf mich aus, und ich erkannte allmählich, dass die meisten Autos und Leute ja in meine Richtung nach dem Nordwesten fahren würden, nachdem die Läden zumachten.

Ich musste nur zweimal in der Stadt an Ampeln stoppen, und erst dann konnte ich mich die Geschäfte und die Leute genauer ansehen, ohne mich davor fürchten zu müssen, dass es zu einer Karambolage käme. Ich fuhr weiter, und als ich das Verkehrsschild sah, das die Grenze des Gemeindekreises markierte, war ich zu meinem Erstaunen der einzige Fahrer auf der Straße. Jetzt war mir die Lage klar. Anstatt weiter von den breiten Fahrspuren und Raststätten der Interstate wegzufahren, waren viele der Besucher einfach nach der kleinen Stadt gefahren, und nach ihrem Einkaufen und Essen, fuhren sie die selbe Strecke zurück. Ich hielt das Fahren in die schon gereiste Richtung für unnötig, denn fast alle Städte wurden von mindestens zwei Straßen durchquert. Irgendeine Richtung könnte einen zu dem gewünschten Ort bringen.

Die Landstraße führte geradeaus, und nichts änderte sich im Landschaftsbild außer der Länge der Schatten, die sich jetzt nach Osten ausdehnten. Alte, leer stehende Bauernhäuser, deren Dächer mit verrostetem Wellenblech gedeckt waren, und braune noch benutze Steinkirchen waren die einzigen Zeugen, dass in dieser stillen Landschaft einmal ein dichtes Netzwerk kleiner Dörfer geblüht hatten. Siedlungen wie Cherry Springs besorgten den umliegenden Bauernhöfen Fertigwaren und Nachrichten, indem sie als Handelsplätze und Gemeindezentren dienten. Heute sah ich fast ausschliesslich Bäume und Gras, und ich konnte mich nur kaum vorstellen, dass Bauer jahrelang angeblich versucht hatte, sich auf diesem trockenen, steinigen Boden durch die Baumwollkultur zu ernähren.

—-Jason Fabianke

Fortsetzung folgt.