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Western Music: Andy Wilkinson und Andy Hedges, „Welcome to the Tribe“

Americana Musik hat eine lange Geschichte in den USA, aber die Musik wurde oft unterschätzt, bis die Techniker der Works Progress Administration während der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahren hunderte Lieder amerikanischer Volksmusik aufgenommen hatten. Sänger und Sängerinnen wie Woody Gutherie wurden durch ihre selbstgeschriebenen Leider weltbekannt. In den Sechzigern Jahren war Volksmusik ihre eigene Musikgattung, und obwohl einige Liedermacher wie Pete Seeger ihr Unabhängigkeit behielten, machten größere Firmen die Vermarktung und der Verkauf der Schallplatten zu einem richtigem Geschäft. Ihrer Meinung nach mussten Musiker Lieder singen, die die Verkaufszahlen erhöhen, oder er oder sie bekäme keine Verlängerung ihres Vertrags. Die Unabhängigkeit der Sänger und Sängerinnen wurde weitgehend verloren.

Einige Sänger praktizieren die Unabhängigkeit der früheren Volkssänger, und sie nennen ihre Werke „Heritage Musik.“ Sie singen in Poety Festivals, auf kleineren Bühnen und in Aulen von Universitäten und Colleges, und kleinere Plattenfirmen veröffentlichen ihre CDs. Einmal im Jahr versammeln sich zwanzig oder mehr der Sänger in Alpine Texas bei dem Texas Cowboy Poetry Gathering, das im nächsten Jahr von dem 24. bis 25. Februar stattfindet.

Zwei talentierte Vertreter der Heritage Music sind Andy Wilkinson und Andy Hedges. Wilkinson ist “Artist in Residence” der Southwest Collection bei Texas Tech University ist. Er und Hedges leben in der Nähe von Lubbock und brachten zwischen 2009 und 2012 vier Alben in Zusammenarbeit, in denen sie singen, spielen und rezitieren sie über das Leben der modernen und historischen Cowboys, die Veränderungen der Landwirtschaft und der Umwelt und die Abhängigkeit von dem Grundwasser des Ogallala Aquifers. Die Musik aller vier Alben haben mich seit zehn Jahren begleitet, und alle sind unerlässlich, um den modernen Westen zu verstehen.

Ein Album ist aber „Welcome to the Tribe“, das 2009 veröffentlicht wurde. Die zwölf Tracks formen eine schöne Mischung aus neuen und traditionellen Lieder, und meistens in Balladen erzählt Wilkinson über die Schwierigkeiten und die Unsicherheit des arbeitenden Cowboy. In anderen Lieder vergleicht er die Sorgen der Vergangenheit mit ähnlichen Sorgen der Menschen, die heutzutage auf dem Llano leben. Wilkerson und Hedges  spielen Gitarre, und Hedges spielt auf einigen Tracks eine Banjo-Gitarre. Die Begleitung wird durch Geigen und andere Instrumenten ergänzt. 

In dem rollenden Titeltrack beschreibt Wilkinson, wie man als echter Cowboy anerkannt werden kann, und er betont, dass es nicht an der Westernkleidung liegt, sondern an dem innerlichen Werten und dem Benehmen des Einzelnen. Er singt, „when you know when to ride up, when you know when to pull up, when you know when to shut up, welcome to the tribe.“ Er behandelt das gleiche Thema in dem Lied „Palm-Leaf Lid.“ Hedges  singt und beschreibt, dass wenn jemand echter Cowboy ist, trägt er keinen sehr teueren Filzhut, sondern einen Palmhut, der einem „working puncher“ unerlässlich ist.

In den Lieder „Dreary Life,“ „Diamond Joe,“ „Cowboy Soliloquy“ und „Old Paint Medley“ bearbeiten Wilkerson und Hedges Versionen historischer Cowboy-Lieder. Die Themen sind wohlbekannt. Cowboys hatten nie genug Geld, und sie mussten draussen in der Kälte und im Regen schlafen. Ihre einzigen Begleiter waren ihre Pferde, die anderen Cowboys und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Wilkinson zeigt in den letzten vier Tracks seine dichterischen Fähigkeiten, indem er die Leere beschreibt, die einen Teil des Konsumzwangs und der Wichtigtuerei ist. In „Glitter Bus“ kämpfen und ringen alle Mitreisenden um einen Sitz. Die Fahrgäste betrachten sich lieber als die Welt vor der Tür; dazu hat der Bus Spiegel statt Fenster. In dem Bus sprechen sie mit lauter Stimme am Handy, und versuchen eine Verabredung für Mittagessen. Alle streben um das Äusserliche, und sie vergessen dabei ihre Humanität.

Der letzte Track ist die Geschichte eines alten Cowboys, der in Clayton Texas im Altenheim sein Lebensende verbringt. Er sitzt im Rollstuhl vor einem kleinen Fenster, und erinnert sich an die alten Zeiten, als er auf Ranches in Texas und New Mexico arbeitete. Der schnelle Takt und die rollende Melodie klingen fast wie ein “road song,” das die breiten Interstates und kurvenreiche Straßen als Subjekt haben sollte–ein Subjekt, das fern von dem Leben im Altersheim sein sollte. Bald verstehen wir die Richtung des Lieds, denn mitten im Lied lernen wir, dass sich der Mann gerade auf sein “Great Escape” vorbereitet. Nach dem Abendessen wird er Reifenspuren auf dem Rasen hinterlassen, und wenn sie seine Abwesenheit bemerken und den Sheriff anrufen, wird er schon mit einem “coyote pack” heulen. Wenn das Altersheim seinen Kindern in Lubbock und Ft. Worth endlich über sein Weglaufen berichtet, wird die Sonne schon “over my bones” untergehen.

Weitere Rezensionen werden folgen.

Die CD und andere Alben können unter westernfolklife.org oder von ITunes bestellt werden. Falls Sie mehr über Andy Wilkinson und Andy Hodges erfahren wollen, bitte lesen Sie mehr unter andyhedges.com und texascowboypoetry.com—-Jason Fabianke

Eine gemeinsame Kulturerbe: die Missionen und das Hill Country, Teil 1

Ich habe diese Reihe wieder veröffentlicht, anlässlich der Ernennung der Missionen von UNESCO zur Weltkulturerbe. Die vier Artikel dieser Reihe erinnern uns daran, dass die Missionen Artefakten sind, die in einer langen kulturellen Kette eingebunden sind, und die Kette reicht von der voreuropäischer Zeit bis zu dem Golfplatz , der rund um die Mission San Saba in Menard gebaut wurde. Die Missionen bilden kein Museumsviertel, sondern die stehen mitten in einer Gegend, in der Menschen noch Zusammenhalt suchen und pflegen müssen, um neue moderne Herausforderungen zu meistern. Wenn Sie in Texas besuchen oder meiner Reisestrecke folgen, bemerken Sie bitte, dass die Gebäuden einst leer und vergessen waren, aber die verschiedenen Kulturen bleiben noch lebendig.—-Jason Fabianke


Die Sonne stand noch niedrig im Himmel, aber an so einem Apriltag stieg die Temperatur nie aus dem milderen Wert. Die erstmaligen Besucher können kaum die Unterschiede zwischen die Jahreszeiten des warmen Klimas der südtexanischen Stadt San Antonio erkennen, und selbst die langjährigen Einwohner wissen, dass sie die wenigen Frühlingstagen geniessen sollten, bevor der lange Sommer beginnt. So eine Erkundigungsfaht hatte ich heute geplant.

Manchmal ist ein gewisser Geruch der feuchten Kühle das einzige Merkmal der kommenden Jahreszeit, als ob die Natur ausatmen müsste, ehe sie vorwärts geht. Im Frühling kehrt das Grüne ganz langsam zu den dürren Grasblättern zurück. Das Gras und die Blüten der Bäumen ändern sich erst schrittweise, denn ein später Frost kann die Pflanzenwelt plötzlich in die Winterzeit zurückdrängen, bevor die neuen Gewächse ein schonendes Stadium erreicht haben. An diesem Apriltag war Winter aber nicht mehr in Sicht, und so ein herrliches Reisewetter ermahnte einen, auf Reisen zu sein.

Ich hatte gegen neun in San Antonio gefrühstückt, und verließ die Stadt halbherzig. Die südtexanische Großstadt ist reich an Kultur und Geschicht, und so viel passiert in den Zeiten zwischen meinen Besuchen, dass ich die Stadt immer wieder kennenlernen muss—eine Aufgabe, die ich mit Freude aufnehme. Die heutige Identität einer Stadt hat ihren Ursprung in der Geschichte der Einwohner und in den Eigenschaften des Ortes. Seit der frühesten Zeitrechnung sind Indianer, Spanier und andere Menschen an die Wasserquellen unter des Balcones gezogen. In Amerika ist die Zeitspanne zwischen der Gegenwart und geschriebenen Geschichte deutlich kürzer als in anderen Weltteilen, aber gerade weil die Vergangenheit so nah ist, lebt Geschichte noch in der Erinnerungen vieler Einwohner.

Die erste europäische Siedlung wurde 1718 von Pater Antonio de Olivares als das Missionszentrum San Antonio de Valero gegründet, so dass die spanischen Ansprüche auf die Ländereien zwischen den Sabine und den Rio Grande Flüssen gegen die Franzosen verteidigten, und neue Einwohner und das Bauen eines Presidios folgten darauf. Die Gestaltung einer Stadt nach europäischen Art fand erst 1731 nach der Umsiedlung von sechsundfünfzig Kanariern in die Gegend um den Presidio, und viele Nachkommen der Inselbewohner wohnen noch heute in San Antonio .

Die ersten Einwohner der Gegend waren aber die armen Coahuiltecans. Einige Historiker meinen dass die Coahueiltecans gerne den Schutz der Spanier vor den besser ausgerüsteten Indianerstämmen aufnahmen, aber ganz sicher hatte niemand sie nach ihrer Meinung gefragt. In den folgenden Jahren errichteten Priester andere Missionen in der Nähe mit den Namen San Jose de Aguado, San Juan Capistrano und Acension. Die Arbeiter der Missionen, entweder freiwillige oder erzwungene, bebauten Mais und ansässige Gemüsearten, und die weiter südlich gelegenen Missionen eigneten große Herde spanischen Rinder, die frei auf den nicht umzäunten Flächen grasten. Alle Missionen spezialisierten sich auf bestimmten Hausindustrien, um die Waren mit anderen Missionen zu tauschen. Obwohl ganz wenige Missionen die Wende des 18. Jahrhunderts bestanden hatten, waren sie eine Zeitlang unersetzbare Machtträger in der Ausbreitung spanischen Einflusses.

Die Standorte der Missionen waren weit von Mexiko bis Kalifornien verbreitet, und ihre Begründungsziele waren eine Mischung aus religiösen und weltlichen Gründen. Die Missionen sicherten die spanischen Ansprüche auf das Land und auf den Rohstoff und belehrten die Indianer über spanische und katholische Kultur. Als die spanischen Priester und Soldaten auf weitere Entdeckungsreisen eintraten, folgten sie alten indianischen Wanderwegen, die die Indianer seit Jahrhunderte von Lagerplatz zu Lagerplatz geführt hatten. Oft nahmen sie Indianer als Pfadfinder an, aber die Wege waren von Tausende von Umzüge breit getreten. Die Pferde, Vieh und schwere Wagen der Spanier wandelten die Wege in mit tiefen Rinnen genarbte Straßen um, die die Reisenden mit Staubwolken in trockenen Zeiten und mit Schlamm in Regenwetter plagten.

Die Lage der Missionen befanden sich an den altbekannten Indianerpfaden entlang, und ein getrauter Wanderweg der Comanches und Apaches war die Strecke zwischen dem wasserreichen Quellgebiet des Südens und dem San Saba River, wo die Spanier später die San Saba Mission gegründeten. Solange die Spanier Neuspanien unter ihrer Verwaltung hielten, galt die Strecke als eine wichtige Real, die ihren Handel unterstützten und ihre Herrschaft sicherte. An diesem milden Frühlingstag wollte ich den historischen Weg wieder besuchen, und die Landschaft kennenlernen, an der sich Siedler und Einwanderer vielfältiger Herkünfte passen mussten, um in einem fremden Land zu überleben.

Ich bin ohne Eile durch die hüglige Landschaft der texanischen Hill Country gefahren. Die breite I-10 bildet eine vierspurige, geteilte Fahrbahn von Kalifornien bis Florida, und obzwar die Aussichten vom Interstate die Vielfalt des Landes ausreichend vertraten, fuhr ich lieber auf den engeren Landstraßen oder State Highways. Sie ermöglichen die unerwarteten Aufenthalten, die die weiten Abstände zwischen den Ausfahrten des Interstate den Reisenden nicht zulassen.

In der Kleinstadt Comfort verpasste ich die geplante Ausfahrt und machte eine kurze Umleitung durch das Zentrum. In den frühen siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erkannte die Legislatur, dass die reichen kulturellen und sozialen Geschichtspunkte zu oft ausschließlich in Büchern und Archiven beschreiben worden waren. Die „Historical Markers“ ware die Folge des neuen Interesse für eine Geschichtsschreibung, die Gemeinden und private Vereinen engagieren sollte.

Als ich an das „General-Store-Gebäude“ vorbeifuhr, das vor zehn Jahren ausgebrannt hatte, bemerkte ich die graue und schwarze Weißtafel, die nach dem abgeschlossenen Gesetzentwurf ein „Historical Marker“ heißt. Den Landstraßen entlang stellten die Staatsregierung viele Wegweiser auf, die bekanntmachen, dass historische Weißtafeln in einer bestimmten Stadt zu finden sind, oder dass sie noch eine Meile weiter in der Straßenrichtung ausgestellt sind. Diese Comfort Weißtafel erzählte die Anständen der ersten europäischen Ansiedlung in der Umgebung, und berichtete über eine fast vergessene Gruppe, die zwar die jetzigen Einwohner der Gegend ihre intellektuelle und materielle Erbe hinterlassen haben.

Die Siedler gehörten zu den Freidenkern, deren in Freiheit befestigter intellektueller Lebensstil die neue gesellschaftliche Ordnung der 1848er Jahren in Europa nicht freundlich empfand. Sie sprachen Latein zu Hause, und sie wollten ihre Kinder ohne den Einfluß organisierter Religion erziehen. Die Freidenker strebten sich nach reiner Meinungsfreiheit, und hielten sich fest zu der damals radikalen Idee, dass Männer und Frauen in allen Fakultäten gleich gestellt waren. Die europäischen Herrschaften der deutschen Gebieten fühlten sich von der kommunitarianischen Organisation und störenden Lehre der Freidenker schwer bedroht, und viele Anhänger der Gruppe emigrierte gegenüber einem wachsenden Gefahr von der Seite der neoabsolutistischen Monarchien.

In Texas kauften sie Land zu einem günstigen Preis, und durften ihre eigenen Schulen gründen, in denen sie ihre Lehre eine neue Generation von Schüler förderten. Sie pflegten Verbindungen und einen ständigen Briefwechsel mit Gleichgesinnten in Deutschland, aber sie wurden allmählich von den anderen deutschsprachigen Siedler der Umgebung assimiliert. Ihre Ansichten und die der meist liberalen Deutschen gingen von ihren englischsprachigen Nachbarn nicht unbemerkt, und viele Freidenker und andere Deutschen unterstützten die Seite der Union nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges, obwohl Texas den Unionsaustritt nach einer Volksabstimmung eingestimmt hatte. Freidenker wurden oft für Verräter gehalten, und erlitten die scharfe Rache der englischsprachigen Leuten, die bezwungen fühlten, die Rechte der südlichen Konföderation verteidigen zu müssen.

In der Nähe der Stadtpark und einer evangelishen-lutheranischen Kirche gegenüber steht ein weißer Oblisk, dessen in Granit gemeißelte Gestalt und Inschrift an die gefallenen Soldaten des Bürgerkrieges erinnerten, die für die Union ihr Leben geopfert hatten. Im Jahre 1862 versuchten vierzig Deutsche, die mexikanische Grenze zu erreichen, um in die Armee der Union einzutreten. Soldaten der Konföderation hatten sie erwischt, und ihre Leichen wurden nicht begraben, bis Freunde von Comfort ihre Knochen holten und auf dem Platz bestatteten, den heute das Denkmal ziert.—-Jason Fabianke

Fortsetzung folgt