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Eine gemeinsame Kulturerbe: die Missionen und das Hill Country, Teil 1

Ich habe diese Reihe wieder veröffentlicht, anlässlich der Ernennung der Missionen von UNESCO zur Weltkulturerbe. Die vier Artikel dieser Reihe erinnern uns daran, dass die Missionen Artefakten sind, die in einer langen kulturellen Kette eingebunden sind, und die Kette reicht von der voreuropäischer Zeit bis zu dem Golfplatz , der rund um die Mission San Saba in Menard gebaut wurde. Die Missionen bilden kein Museumsviertel, sondern die stehen mitten in einer Gegend, in der Menschen noch Zusammenhalt suchen und pflegen müssen, um neue moderne Herausforderungen zu meistern. Wenn Sie in Texas besuchen oder meiner Reisestrecke folgen, bemerken Sie bitte, dass die Gebäuden einst leer und vergessen waren, aber die verschiedenen Kulturen bleiben noch lebendig.—-Jason Fabianke


Die Sonne stand noch niedrig im Himmel, aber an so einem Apriltag stieg die Temperatur nie aus dem milderen Wert. Die erstmaligen Besucher können kaum die Unterschiede zwischen die Jahreszeiten des warmen Klimas der südtexanischen Stadt San Antonio erkennen, und selbst die langjährigen Einwohner wissen, dass sie die wenigen Frühlingstagen geniessen sollten, bevor der lange Sommer beginnt. So eine Erkundigungsfaht hatte ich heute geplant.

Manchmal ist ein gewisser Geruch der feuchten Kühle das einzige Merkmal der kommenden Jahreszeit, als ob die Natur ausatmen müsste, ehe sie vorwärts geht. Im Frühling kehrt das Grüne ganz langsam zu den dürren Grasblättern zurück. Das Gras und die Blüten der Bäumen ändern sich erst schrittweise, denn ein später Frost kann die Pflanzenwelt plötzlich in die Winterzeit zurückdrängen, bevor die neuen Gewächse ein schonendes Stadium erreicht haben. An diesem Apriltag war Winter aber nicht mehr in Sicht, und so ein herrliches Reisewetter ermahnte einen, auf Reisen zu sein.

Ich hatte gegen neun in San Antonio gefrühstückt, und verließ die Stadt halbherzig. Die südtexanische Großstadt ist reich an Kultur und Geschicht, und so viel passiert in den Zeiten zwischen meinen Besuchen, dass ich die Stadt immer wieder kennenlernen muss—eine Aufgabe, die ich mit Freude aufnehme. Die heutige Identität einer Stadt hat ihren Ursprung in der Geschichte der Einwohner und in den Eigenschaften des Ortes. Seit der frühesten Zeitrechnung sind Indianer, Spanier und andere Menschen an die Wasserquellen unter des Balcones gezogen. In Amerika ist die Zeitspanne zwischen der Gegenwart und geschriebenen Geschichte deutlich kürzer als in anderen Weltteilen, aber gerade weil die Vergangenheit so nah ist, lebt Geschichte noch in der Erinnerungen vieler Einwohner.

Die erste europäische Siedlung wurde 1718 von Pater Antonio de Olivares als das Missionszentrum San Antonio de Valero gegründet, so dass die spanischen Ansprüche auf die Ländereien zwischen den Sabine und den Rio Grande Flüssen gegen die Franzosen verteidigten, und neue Einwohner und das Bauen eines Presidios folgten darauf. Die Gestaltung einer Stadt nach europäischen Art fand erst 1731 nach der Umsiedlung von sechsundfünfzig Kanariern in die Gegend um den Presidio, und viele Nachkommen der Inselbewohner wohnen noch heute in San Antonio .

Die ersten Einwohner der Gegend waren aber die armen Coahuiltecans. Einige Historiker meinen dass die Coahueiltecans gerne den Schutz der Spanier vor den besser ausgerüsteten Indianerstämmen aufnahmen, aber ganz sicher hatte niemand sie nach ihrer Meinung gefragt. In den folgenden Jahren errichteten Priester andere Missionen in der Nähe mit den Namen San Jose de Aguado, San Juan Capistrano und Acension. Die Arbeiter der Missionen, entweder freiwillige oder erzwungene, bebauten Mais und ansässige Gemüsearten, und die weiter südlich gelegenen Missionen eigneten große Herde spanischen Rinder, die frei auf den nicht umzäunten Flächen grasten. Alle Missionen spezialisierten sich auf bestimmten Hausindustrien, um die Waren mit anderen Missionen zu tauschen. Obwohl ganz wenige Missionen die Wende des 18. Jahrhunderts bestanden hatten, waren sie eine Zeitlang unersetzbare Machtträger in der Ausbreitung spanischen Einflusses.

Die Standorte der Missionen waren weit von Mexiko bis Kalifornien verbreitet, und ihre Begründungsziele waren eine Mischung aus religiösen und weltlichen Gründen. Die Missionen sicherten die spanischen Ansprüche auf das Land und auf den Rohstoff und belehrten die Indianer über spanische und katholische Kultur. Als die spanischen Priester und Soldaten auf weitere Entdeckungsreisen eintraten, folgten sie alten indianischen Wanderwegen, die die Indianer seit Jahrhunderte von Lagerplatz zu Lagerplatz geführt hatten. Oft nahmen sie Indianer als Pfadfinder an, aber die Wege waren von Tausende von Umzüge breit getreten. Die Pferde, Vieh und schwere Wagen der Spanier wandelten die Wege in mit tiefen Rinnen genarbte Straßen um, die die Reisenden mit Staubwolken in trockenen Zeiten und mit Schlamm in Regenwetter plagten.

Die Lage der Missionen befanden sich an den altbekannten Indianerpfaden entlang, und ein getrauter Wanderweg der Comanches und Apaches war die Strecke zwischen dem wasserreichen Quellgebiet des Südens und dem San Saba River, wo die Spanier später die San Saba Mission gegründeten. Solange die Spanier Neuspanien unter ihrer Verwaltung hielten, galt die Strecke als eine wichtige Real, die ihren Handel unterstützten und ihre Herrschaft sicherte. An diesem milden Frühlingstag wollte ich den historischen Weg wieder besuchen, und die Landschaft kennenlernen, an der sich Siedler und Einwanderer vielfältiger Herkünfte passen mussten, um in einem fremden Land zu überleben.

Ich bin ohne Eile durch die hüglige Landschaft der texanischen Hill Country gefahren. Die breite I-10 bildet eine vierspurige, geteilte Fahrbahn von Kalifornien bis Florida, und obzwar die Aussichten vom Interstate die Vielfalt des Landes ausreichend vertraten, fuhr ich lieber auf den engeren Landstraßen oder State Highways. Sie ermöglichen die unerwarteten Aufenthalten, die die weiten Abstände zwischen den Ausfahrten des Interstate den Reisenden nicht zulassen.

In der Kleinstadt Comfort verpasste ich die geplante Ausfahrt und machte eine kurze Umleitung durch das Zentrum. In den frühen siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts erkannte die Legislatur, dass die reichen kulturellen und sozialen Geschichtspunkte zu oft ausschließlich in Büchern und Archiven beschreiben worden waren. Die „Historical Markers“ ware die Folge des neuen Interesse für eine Geschichtsschreibung, die Gemeinden und private Vereinen engagieren sollte.

Als ich an das „General-Store-Gebäude“ vorbeifuhr, das vor zehn Jahren ausgebrannt hatte, bemerkte ich die graue und schwarze Weißtafel, die nach dem abgeschlossenen Gesetzentwurf ein „Historical Marker“ heißt. Den Landstraßen entlang stellten die Staatsregierung viele Wegweiser auf, die bekanntmachen, dass historische Weißtafeln in einer bestimmten Stadt zu finden sind, oder dass sie noch eine Meile weiter in der Straßenrichtung ausgestellt sind. Diese Comfort Weißtafel erzählte die Anständen der ersten europäischen Ansiedlung in der Umgebung, und berichtete über eine fast vergessene Gruppe, die zwar die jetzigen Einwohner der Gegend ihre intellektuelle und materielle Erbe hinterlassen haben.

Die Siedler gehörten zu den Freidenkern, deren in Freiheit befestigter intellektueller Lebensstil die neue gesellschaftliche Ordnung der 1848er Jahren in Europa nicht freundlich empfand. Sie sprachen Latein zu Hause, und sie wollten ihre Kinder ohne den Einfluß organisierter Religion erziehen. Die Freidenker strebten sich nach reiner Meinungsfreiheit, und hielten sich fest zu der damals radikalen Idee, dass Männer und Frauen in allen Fakultäten gleich gestellt waren. Die europäischen Herrschaften der deutschen Gebieten fühlten sich von der kommunitarianischen Organisation und störenden Lehre der Freidenker schwer bedroht, und viele Anhänger der Gruppe emigrierte gegenüber einem wachsenden Gefahr von der Seite der neoabsolutistischen Monarchien.

In Texas kauften sie Land zu einem günstigen Preis, und durften ihre eigenen Schulen gründen, in denen sie ihre Lehre eine neue Generation von Schüler förderten. Sie pflegten Verbindungen und einen ständigen Briefwechsel mit Gleichgesinnten in Deutschland, aber sie wurden allmählich von den anderen deutschsprachigen Siedler der Umgebung assimiliert. Ihre Ansichten und die der meist liberalen Deutschen gingen von ihren englischsprachigen Nachbarn nicht unbemerkt, und viele Freidenker und andere Deutschen unterstützten die Seite der Union nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges, obwohl Texas den Unionsaustritt nach einer Volksabstimmung eingestimmt hatte. Freidenker wurden oft für Verräter gehalten, und erlitten die scharfe Rache der englischsprachigen Leuten, die bezwungen fühlten, die Rechte der südlichen Konföderation verteidigen zu müssen.

In der Nähe der Stadtpark und einer evangelishen-lutheranischen Kirche gegenüber steht ein weißer Oblisk, dessen in Granit gemeißelte Gestalt und Inschrift an die gefallenen Soldaten des Bürgerkrieges erinnerten, die für die Union ihr Leben geopfert hatten. Im Jahre 1862 versuchten vierzig Deutsche, die mexikanische Grenze zu erreichen, um in die Armee der Union einzutreten. Soldaten der Konföderation hatten sie erwischt, und ihre Leichen wurden nicht begraben, bis Freunde von Comfort ihre Knochen holten und auf dem Platz bestatteten, den heute das Denkmal ziert.—-Jason Fabianke

Fortsetzung folgt

Frisches vom Farm in San Antonio, Restaurant Gwendolyn

Am San Antonio River ist ein Restaurant, dessen Angebot und Ideen einzigartig in Südtexas sind. Das Restaurant ist nicht „western“, aber hier wird die reiche Ernte von Südtexas schön zur Schau gestellte. Chefkoch Michael Sohocki übernahm 2010 den Mietvertrag des Restaurants Le Reve, und gründete das neue Restaurant Gwendolyn, die er nach seiner Großmutter taufte. Mit nur zehn Tische liegt das Lokal im Grundgeschoss des Exchange Building, und ist Diensttag bis Samstag von 17.30 bis 21.00 auf. Mittagessen wird Montag bis Freitag von 11.00 bis 14.00 serviert. Abends können Gäste spätestens um 21.00 einen Tisch nehmen, aber sie dürfen so lange bleiben, wie sie wünschen.
Vom Tisch aus konnte ich über eine Halbwand den Koch und Küchenpersonell zu sehen, und nach einigen Minuten fiel es mir ein, wie still alles war. In der Küche waren alle sehr beschäftigt, aber ausser des Schneidens eines Messers oder des Rührens eines Löffels kamen kein einziger Laut. In Gwendolyn wird gekocht und nicht aus einer Tiefkühltruhe serviert. Viele Restaurants protzen, dass hier kein Mikrowellenofen benutzt wird, aber in Gwendolyn werden keine Küchengeräte eingesetzt–keine Mixers, Blenders, oder anderen Maschinen. Sogar den Kaffee wird von einem Kellner über einer Flamme am Tisch gekocht. Ich wunderte mich, dass ich den Dunstbezugshaube nicht hören konnte, aber wenn alle Fette selber in der Küche von Samen oder Tiere gewonnen werden, verwendet der Koch Fett und Öl nicht in solchen Mengen, dass der Dunst nicht angesaugt werden muss.
In Gwendolyn kommt das Manifest vor dem Essen. Alle Zutaten stammen aus der Umgebung von San Antonio, und werden selber von Chef Sohocki zum Restaurant gebracht. Obst und Gemüse entsprechen der Jahreszeit und der Ernte, und kommen direkt vom Bauer. Fleisch wird auch direkt vom Farmer in Hälften geliefert, die im Restaurant verarbeitet werden, und alle Teile des Tiers werden benutzt. Wenn man sich vorher meldet, kann der Koch den Gästen helfen, viele diätetische Verordnungen zu halten.
Ein Drei-Gänge-Menü kostet 55 USD, dienstags, mittwochs, und donnerstags kostet das Menü 35 USD zwischen 17.30-18.30 mit einer Reservierung. Ein Fünf-Gänge-Menü ist auch eine Möglichkeit und kostet 75 USD. Alles ist hausgemacht. Viele Gäste beginnen ihr Essen mit einer Auswahl von trockener Salami und geräuchertem Schinken, die mit Brotscheiben serviert werden. Als ich in Januar das Restaurant besuchte, bestellte ich das Drei-Gänge-Menü, und nach der amuse bouche bestand der erste Gang aus roten Beeten mit dünnen Scheiben Schinken. Der zweite Gang war Schweinekotelett mit Chollard Greens und weich gekochten Enteneiern. Zum Nachtisch war Süsskartoffel pot de creme.
Das Essen wird nicht jedem Geschmack entsprechen, aber wenn man etwas neues erleben möchte, wird man ganz bestimmt noch einmal Gwendolyn besuchen.—-Jason Fabianke

http://www.restaurantgwendolyn.com

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